Slaughterhouse-Five & Yalu

Kurt Vonnegut schreibt über Lots Frau:

And Lot’s wife, of course, was told not to look back where all those people and their homes had been. But she did look back, and I love her for that, because it was so human. So she was turned into a pillar of salt. So it goes.

Gott hatte die Unrechten bestraft, und er setzte sie ins Unrecht, indem er ihre menschliche Natur, die er ihnen doch eingehaucht hatte, für böse und ausmerzenswert erklärte. So it goes.

In Jörg Friedrichs Buch über den Koreakrieg liest man, mit welcher Selbstverständlichkeit die neuen Götter – die Herren der Kernwaffen, im Weißen Haus und im Kreml – über die atomare Züchtigung der verworfenen Völker nachsannen. Kapitelweise präsentiert Friedrich die Pläne der Joint Chiefs, MacArthurs, Trumans und Eisenhowers zur Atomisierung Nordkoreas, der Mandschurei oder der chinesischen Küstenstädte. Sie taten es nicht, aber es schien ihnen auch keine allzu schlaflosen Nächte bereitet zu haben. Stattdessen pulverisierten sie eben ganz konventionell die koreanische Halbinsel. Und ihre Widerparts, Stalin, Mao und der die ihm eigene Lächerlichkeit anscheinend an seine Söhne und Enkel vererbt habende Kim Il-Sung? Sie hätten das atomare Feuer aus den Schächten der B-29 dankend von ihren Untertanen entgegen nehmen lassen; welch eine Gelegenheit für die roten Propagandabüros, die Amerikaner als imperialistische Schlächter der Welt vorzuführen! Die erwartbaren Verluste bereiteten diesen Massenmord erprobten Lichtgestalten ihrer Völker und manch westlicher Geisteszwerge keine schlaflosen Nächte. Mao: „Wir haben 600 Millionen Menschen, die Atombombe kann eine paar Dutzend davon auslöschen – davon erholen wir uns.“ Die latente Bereitschaft zum Menschenmassenverbrennen – anscheinend wichtige Voraussetzung, will man in der Geschichte etwas erreichen.

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Wahrheit in die Leiber bomben.

Und die Untertanen? Wenn ich lese, wie General Peng Duhai seine Menschenwellen in die MGs und Bordkanonen, ins Napalmfeuer der UN-Truppen stürmen ließ und fassungslos weiterlese, wie diese begeistert der Order Folge leisteten. Die heute gern gepflegte Fama weiß ja, dass Menschen den Krieg hassen – ganz von Natur aus – und gerade jene, die einen erlebt haben, den Frieden besonders gärtnerisch hegen und pflegen würden. Es gibt ja ernsthaft Leute die meinen, das EU-Projekt würde momentan nicht so siegreich vorwärtsstürmen, da die Kriegsgeneration, die wüsste was man an Brüssel habe, nun wegsterbe. Mao hat 20 Jahre Krieg geführt, seine Generäle und viele der Truppen, die in Korea kämpften, gleichfalls. Und sie stürmten in die Schlacht, warfen sich jubelnd in die Garben der Schnellfeuerwaffen. Nein, der Mensch ist nicht leise und friedfertig und gut. E. Jünger (sinngemäß): Der Mensch folgt dankbar dem, der ihm ein Ziel weist, für das er sich opfern kann. Wir sind nicht human. Frau Lot war human, und Gott strafte sie. Vielleicht wollen die Götter gar keine humanen Menschen? Warum lohnen sie sonst immer wieder jene, die listig und gewaltsam sind? Vielleicht weiß es die Gottheit nicht einmal selbst, sondern zuckt nur die Schultern. So it goes.

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