The stupid Donkey

Der Blick von Außen ist immer noch der interessantere Pointenlieferant. Irgendwann schreibe ich mal darüber, wie meine diversen holländischen und britischen Verwandten und Bekannten über ze Germany denken, vor allem was sie so irritiert oder auch gleich verrückt werden lässt – natürlich im übertragenen Sinne. Heute hingegen begebe ich mich lustvoll in die Rolle des gestreng richtenden Beobachters, Objekt der prosekutorischen Untersuchung: die Ansichten einer lieblichen Amerikanerin, urban, newenglish, sehr liberal, a Democrat, also Anhänger der stupid party. I-ahhh.

„I work hard and don’t want to pay for lazy people.“

Die Sonne beschien uns an diesem bereits frischen Septembertag, an einem bürgersteigblockierenden Tischchen vor einem Café sitzend; in der Nähe des Kinos, das wiederum in der Nähe des Boxhagener Platzes seine Türen öffnet. Wir kamen, wie es sich für gebildete Menschen gehört, irgendwann auf die Politik, das heißt dieser Tage, wenn ein US-Citizen involviert ist, also auf Trump zu sprechen. Und, da dieses Thema nur noch langweilt – halb, weil der Mann ein eitler Einfaltspinsel ist, halb, weil seine Dämonisation anödet – auf die Quelle seines Wahlerfolges, mithin seine Wähler. Nach Meinung meiner Bekanntschaft handelt es sich bei diesen Zeitgenossen um homophobe, muslimhassende Hirnamöben, die zu faul sind, nach dem Verlust des Stahlwerkjobs putzen oder hilfsernten zu gehen und daher ihrer herzerfrischenden Verachtung anheimfallen. (Sie ist eine hochgebildete Mathematikerin, hart arbeitend und Jobofferten von London bis Singapur auszuschlagen Privilegierte.) Ich lauschte, nickte. Hier war er also, dachte ich, der wesentliche Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Linken: Die Neuweltler sind sozial sicherlich sehr progressiv – Homoehe, religiöse Toleranz usw. – aber mitleidlos mit Verlierern struktureller Wandlungen. Es schien im Falle meiner Gesprächspartnerin sogar eine gewisse Schadenfreude – o deutsches Wort – die Vorstellung von „niedere Arbeit“ zu verrichten sich gezwungen sehenden weißen Männern zu versüßen. Dass sie ihrem sozialen Abstieg politischen Widerstand entgegensetzen sah sie als unfair an – was fällt dem Pöbel ein, sich den Gesetzen des Fortschritts, mit seinen alle tradierte Strukturen aufdröselnden Wirbeln nicht zu beugen? Überhaupt, so ihre Konklusion, seien die weniger Gebildeten nicht in der Lage die moderne, natürlich hochkomplexe Welt zu verstehen. Soso, dachte ich und griff zum Drink.

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Der Arbeiter der Nordhalbkugel: Erst die Avantgarde der Menschheit – heute Verkörperung der toxic white masculinity. Was für eine Karriere, Genossen.

Irgendwie ist die Linke auch nicht mehr das, was sie mal war. Statt sie zu emanzipieren, wird den Verlierern ökonomischer Umbrüche Emanzipationsungeeignetheit attestiert. Arbeiter werden nicht mehr zur Avantgarde der neuen Welt, sondern zum Sperrmüll der pluralistischen Moderne erklärt. Und dann wundern sich diese Lichtgestalten, dass die Verworfenen den Kandidaten der Verworfenheit wählen.

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