Jorge von Monacco

Gefährlich Gedanken und die Bücher, welche sie enthalten. Wem kommt da nicht Ecos mittelalterliches Schauer- und Lehrstück in den Sinn, in einer nicht zu nennenden Abtei im nördlichen Apennin angesiedelt. Die dort in luftiger Höhe angesiedelten Klugen wissen, dass nicht jedes Buch und mit ihm nicht jede Idee dem Volk, dem immer suchenden und immer irrenden in die Hände und Hirne fallen darf. Selbst der anachronistische Franziskanerbruder, ein zweifelnder Linksintellektueller und Popperverehrer, ist sich dessen sicher: Die Heiligkeit seines Ordens und die Verworfenheit des Fra Dolcino schöpften aus der selben, ideellen Quelle. Nur haben der böse Bruder und seine Gefolge alles falsch verstanden, was Franziskus richtig erkannt hat. Wahrscheinlich waren diese sengend und mordend und betend umherziehenden Spitzbuben nicht theoriefähig zu denken in der Lage. Denn Solches ist von Übel und sollte mit dem Entzug der Leserechte in der großen Weltbibliothek bestraft werden. Meint kein dominikanischer Inquisitor, sondern Gustav Seibt: „weil das Buch natürlich in die Hände von Leuten fallen kann, die gar nicht theoriebildend zu denken imstande sind“. In Rede steht natürlich nicht Aristoteles Text über die Komödie und das Lachen, sondern eine moderne Gefahrendenke – das Stieferle Buch ‚Finis Germania‘.

Ich habe selbiges nicht gelesen und was ich so an Ausschnitten präsentiert bekomme lässt mich nachdenklich, belustigt aber auch ekelnd zurück. Nun gut, aber es geht auch nicht um das Buch des armen Suizidenten. Es geht um Seibts Idee, welche er und andere wohl als Haltung, natürlich die kerzengerade ins bessere Selbst führende, verstehen. Bücher müssen also manchen Zeitgenossen vorenthalten werden, da, verkürztes und aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat hin oder her, sie nicht richtig zu Denken vermögen. Dunkeldeutsche sollen sich lieber an die Super Illu halten. Sieh an, hör zu! Das ist antiaufklärerisch, es ist die Negation des kantischen „Habe Mut“ in reinster, kristallener Form. Und da es um Bücher, die besser weggeschlossen gehören, geht, kommt natürlich der blinde Jorge, der mörderische, diskursreinhaltende Düstermann in den Sinn.

„Christus hat nie gelacht!“

Wie alle guten Zensoren im Auftrage des Herrn unterwegs, dafür sorgend, dass das öffentliche Gespräch nicht gestört wird, Texte nicht in falsche Hände fallen und das Gottesvolk nicht vom rechten Wege abkommt, den die eifrig studierenden und betenden Mönche ihm weisen. Amen to that.

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