Der Fragebogen, 2ter Teil

Ernst v. Salomon, alter Rathenau-Mörder-Chauffeur und Nazistatthalter-Versteher, wurde hier ja schon mit seinem „eiseskalten“ (Arendt) Rechtfertigungsbuch besprochen. In dem er doch, immerhin ein Verdienst des Baltikumers, die Unwissenheit der meisten Deutschen den Holocaust betreffend ad absurdum führt.

Aber der Mensch mag wohl sein das politische, das vergleichende, das wertende Tier – er ist vor allem das fragende eine. Woher, wohin? Wo ist der Sinn? Was dräut über den Wolken und unter den Wellen, und warum stehe ich immer an der Kasse, in der sich die Kleingeld-warten-Sie, hab’s-passend-Bezahler versammeln?

Doch halt, halt ein!

Größere Fragen gibt’s! Nicht nach der Religion, nein Gretchen: nach der Rasse. Oder eben nicht, aber sicher nach dem Rassismus, den es zu entdecken gilt, an anderen und an sich selbst. Das kann zu Fragebögen führen, die in ihrem Wunsche, des Guten Paldin zum Schilde zu gereichen, geradzu köstlich Lachen machen.

Aber nun genug des Geschwurbels. Die Zeit hat große Rassismus- oder Antirassismuswoche (metoo muss eben warten) und der Leserschaft wird in gewohnt impertinenter, moralinsauerer und lächerlich pathetischer Markenzeichenart die rassistische Maske vom Herzen gerissen. Nein, mein Bester, auch du kleiner Akademikerschlingel aus Kreuzberg trägst noch ein übles Faschodenken in dir. Aber mit der bei Jesuiten und Maoisten so erfolgreichen Technik der Selbstkritik wird man dem schon beikommen. Die Zeit hilft, etwa mit diesem Fragebogen. Also, gehen wir’s an.

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Fragen über Fragen. Und du schweigst stille in die Nacht.
  1. Wie oft wirst du auf einer Party gefragt: Wo kommst du wirklich her? – Oft, meist von blutjungen Schönheiten, die mich für einen Halbgott halten.
  2. Und wie oft fragst du selbst? – Selten. Meist Türken, die noch in der dritten Mein-Herz-ist-in-Türkei-Generation so mieses Deutsch sprechen, als wären sie eben vom Boot gefallen. Dann frage ich: „Aber du kommst ursprünglich schon aus Konstantino… Äh, Istanbul.“
  3. Fragst du Weiße beim Smalltalk nach ihren Großeltern? – Nur wenn ich merke – das geht schnell – dass es sich um Juden handelt. Man muss halt aufpassen.
  4. Fühlst du dich jetzt schon von diesem Fragebogen angegriffen? – Unbedingt. Ihr kommt mir auf die Fascho-Schliche. So was kann ich ja gar nicht brauchen.
  5. Kannst du fluchen, Secondhand-Kleidung tragen, nicht auf Mails antworten – ohne, dass Menschen diese Entscheidung mit Sittenlosigkeit, Armut oder Faulheit verknüpfen? – Fluchen ist sittenlos, Secondhand habe ich ein schlechtes Händchen für, und wer auf Mails nicht antwortet ist ein fauler Sack.
  6. Denkst du, du bist nicht rassistisch, weil du einen Freund mit Migrationshintergrund hast? – Ich hab sogar eine Freundin mit selbigem und rassitisch bin ich trotzdem.
  7. Weißt du, wie viele Muslime in Deutschland leben? – 20 Milliarden, habe ich den Eindruck. Jedenfalls könnte man mit den aneinander geknoteten Kopptüchern der züchtigen Mädels eine Leine bis zum Mars und zurück knüpfen. Habe ich in der P.M. gelesen.
  8. Wie viele enge Freunde hast du, die einen asiatischen, persischen oder nigerianischen Migrationshintergrund haben? – Keine, weder benötige ich Zigaretten, Teppiche oder solches Zeugs, was es in Nigeria gibt. Ingwer, glaube ich. Ich hatte mal während des Studiums was mit ner aus Russland nach Israel eingewanderten Jüdin. Zählt das? Die war aber sehr blond, weiß und der Meinung, dass das jüdische Blut rein bleiben muss.
  9. Wusstest du, dass fast jeder Vierte in Deutschland einen Migrationshintergrund hat? – Oh Gott, wenn das mein Großonkel erlebt hätte, der doch in SA-Uniform geheiratet hat. All seine Mühen – vergebens, zerstaubender Tand in den Wind gestreut.
  10. Fühlst du dich fremd, wenn Leute um dich herum Arabisch oder Russisch sprechen? – Handelt es sich um arabische oder russische Aristokratie – nein. Ansonsten – unbedingt.
  11. Fühlst du dich fremd, wenn Leute um dich herum Englisch sprechen? – Handelt es sich um britische Akademiker – nein. Ansonsten – unbedingt.
  12. Wenn du ein Kind hättest, würdest du es in eine Kita mit mehrheitlich Kindern mit Migrationshintergrund schicken – wenn es in der Nähe eine Kita mit mehrheitlich weißen Kindern gäbe? – So es sich bei der Mihigru-Kita um die Sprösslinge japanischer Physiker, iranischer Ärzte, äthiopischer Schriftsteller und neuseeländischer Rugbyspieler handelt – unbedingt.
  13. Wischst du bei Dating-Apps tendenziell weiter, wenn die angezeigte Person nicht weiß ist? – Liebe Freunde, die ihr solche Fragen aus Büchlein für critical-Weißbrot-studies entnehmt: Lasst es euch gesagt sein, wir Männer sind Sexisten. Ich wischte – denn die Zeiten sind, Allah sei Dank, vorüber – fette, ungewaschene, agressiv dreinblickende, vollverpierct und tätowierte Weiber stets darüber wo der Papierkorb ist (und auch wunderhübsche, knochenweiße US-Expat-Mädels, die hier eine Künstlerexistenz á la Gertrude Steins Salon leben wollen). Die Schönheit aber kennt keine Hautfarbe (aber sehr wohl Knochensymmetrien). Gerecht ist sie also nicht, aber sie hat nix mit Ethnien zu tun.
  14. Kennst du fünf Bücher von Autorinnen, die nicht weiß sind? – Die Bücher jetzt, oder die Autorinnen? Na, die ganzen Schwarzbücher – höhöhö.
  15. Wie viele hast du davon gelesen? – Alle.
  16. Wie ehrlich warst du bei Frage 13? – Selten ehrlich.
  17. Stell dir vor, du siehst eine rassistische Diskussion im Netz. Würdest du dich einmischen? – Ich wäre ja wahrscheinlich schon als der böse Rassist darin involviert.
  18. Wie oft wurdest du schon von der Polizei angehalten und kontrolliert? – Zu oft.
  19. Also in diesem Monat? – Zu selten.
  20. Wirst du auch ohne blonde Begleitung in die meisten Clubs gelassen? – Früher hätte ich weder bei einer blonden Begleitung noch bei angesagten Clubs Einlaß gefunden. Heute interessieren mich Clubs nicht mehr. Daher – ich weiß es nicht.
  21. Wurdest du schon mal dafür verprügelt, dass du aussiehst, wie du aussiehst? – Ja, und auch schon dafür, dass ich nicht brav stille geschwiegen habe. Was keinen Deut weniger schmerzhaft ist.
  22. Stört es dich, wenn deine Eltern ganz anders über Migrantinnen denken als du? – Und wie. Das sind so linksversiffte Hippies.
  23. Haben Fremde schon mal ungefragt deine Haare angefasst? – Ja, und danach aufs Maul bekommen.
  24. Gibst du dir viel Mühe, die Namen spanischer, italienischer oder französischer Fußballspieler richtig auszusprechen, die von türkischen und vielen anderen aber nicht? – Fußball ist ein Proletensport, betrieben, vermarktet und bejubelt von Proleten. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Und Proletennamen sind mir schnuppe, egal aus welchem Ländle sie kommen.
  25. Wie würdest du dich fühlen, wenn deine neuen Nachbarn eine afghanische Familie wären? – So mit Töchterchen mit Steinen totschmeißen, weil sie ein anderes Mädel geküsst hat? Und Frau einsacken? Gar nicht gut würde ich mich fühlen. Und ihr auch nicht, ihr Philister. Oder meint ihr doch die 1980 aus Kabul geflohene Akademiker-Family? Da die wahrscheinlich engagiertere Stützen der Zivilisation sind als ihr Fragebogenclowns, würde ich mich sehr gut fühlen.
  26. Wie würdest du dich fühlen, wenn deine neuen Nachbarn eine schwedische Familie wären? – So um die 1635 herum hätte ich mich sehr unwohl gefühlt. Das ganze Brandschatzen, Plündern, Vergewaltigen und Totschlagen durch die Schweden konnte einem schon die Stirn in Sorgenfalten legen.
  27. Bezieht es irgendjemand auf dein Aussehen, wenn du etwas nicht so gut kannst? – Ständig, so wird mir immer wieder annonciert, ich könne einfach nicht scheiße aussehen, egal was ich anziehe. Ach ja, und manch einer meint, meiner etwas helleren Haut wegen sei ich nicht so gut im nicht-rassistisch sein. Worin alle anderen aber ja sehr gut sind.
  28. Welches Bild kommt dir in den Kopf, wenn du an schwarze Männer denkst? – An die Pseudo-Gangsta-Gestalten, die mir jeden Tag in der Stadt begegenen. Als Rassist fällt mir das auf und als europäischer Kulturalist freu ich mich um so mehr, wenn ich mal einen Schwarzen sehe, der schick gekleidet ist – gibt’s im UK übrigens öfter. Und auf alten Fotos auch – aber das gilt auch für die Weißen. Ach, für jeden.
  29. Welches Bild kommt dir in den Kopf, wenn du an muslimische Frauen denkst? – Genau das Bild Genosse, das du hattest als du die Frage formuliert hast.
  30. Hast du schonmal gedacht: Wenn ich könnte, würde ich nur mit Menschen zusammenarbeiten, die so sind wie ich? – Gott bewahre!!!
  31. Siehst du Menschen, die dich repräsentieren, wenn du den Fernseher anschaltest oder eine Zeitung aufschlägst? – Ich sehe spätmittelalterliche Priester, die die Ideen der Aufklärung auf den Kehrrichthaufen der Geschichte befördert haben und glauben, damit die Geschichte an sich beendet und den Weg ins Paradies geebent zu haben. Also, ich sehe Idioten. Nein, bin nicht repräsentiert.
  32. Wie oft geben dir Menschen in deinem Umfeld das Gefühl, dass du nicht zu dieser Gesellschaft gehörst? – Permanent, da sie den unter 31. Genannten lammfromm folgen.

 

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