Die glückliche Generation

Die ganz Alten wussten es noch: Glück, das ist keineswegs ein Zustand oder Ding an dessen Inhaberschaft der Mensch sich umstands- oder gar hemmungslos erfreuen darf.  Denn das Leben, so meinte man aus der täglichen und überlieferten Anschauung heraus folgern zu dürfen, ist meist Leid, Sorge und Not – so hatten es die Unsterblichen, als sie die Welt eingerichtet und den Mensch darin gesetzt, eben beschlossen. Wer von Kalamitäten frei war – im Glück schwelgte – der war höchscht verdächtig, der war im Grunde ein Verurteilter, der in samtausgeschlagener Zelle auf die Tortur wartete, ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn Glück neideten die Götter den Sterblichen. Daraus gebar sich ihre Missgunst. Ihr Wunsch, Glück in Un-Glück zu verwandeln. Sie bestraften den Seligen, entrissen ihm das unverschämte Glück und verfluchten sein Schicksal. Wie gesagt, das glaubte man einst. Ein wenig hat sich dieser Verdacht, dass dem übergroßen Glück das ausgleichende Pech auf dem Fuße folgen muss, wohl noch in unserer Alltagsmythologie gehalten. „Die glückliche Generation“ weiterlesen

Europa ist kein Ort auf der Landkarte

Der große Vorsitzende der völkischen Partei, deren Aufstieg gegen alles Anschreiben der Gelehrten und Intellektuellen rasant und nahezu ungebremst, vielleicht auch zwingend so verlief, schreitet durch das Spalier der jubelnd vereinten NSU-Massen. Harte Holzschnitzgesichter. Männer, nicht wenige morderprobt. Politische Gegner, Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten haben sie erschossen, erschlagen. Jeder weiß es hier, am meisten der alte Mann, der zwischen ihnen schreitet. Flaggen, Chöre, zu völkischem Gruß greckte Arme füllen den Saal. Mildes Triumphatorenlächeln umspielt die Züge des Alten: Wie er da im schlecht sitzenden Anzug die Paradestrecke emporschreitet, dem Rednerpult zu, ist er da nicht der Retter seines Volkes? Gauland erklimmt die Stufen…Halt, was? Gauland? Quatsch. „Europa ist kein Ort auf der Landkarte“ weiterlesen

Zaimoglu der Vortreffliche

Der Rechte ist kein Systemkritiker, kein Abweichler und kein Dissident, er ist vor allem kein besorgter Bürger. Wer die Eigenen gegen die Anderen ausspielt und hetzt, ist rechts. Punkt. Wer für das Recht der Armen streitet, ist ein Menschenfreund. Punkt. Es gibt keinen redlichen rechten Intellektuellen. Es gibt keinen redlichen rechten Schriftsteller.

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Das Lied von Eis und Feuer

Vor ein paar Jahren warf mich eine frühsommerliche Erkältung auf die Bettstatt und damit in eine gewisse Langeweile. Nicht elend genug mich fühlend, als dass ich keine Gedanken hätte fassen können, aber auch nicht beweglich genug, mich ernsthaften Betrachtungen über Sinn und Sein – wie ich es ja permanent tue – hinzugeben, benötigte ich ein mentales Schmerzmittel. Da griff ich zum ersten Bande des Liedes von Eis und Feuer. Ich glaube, es war mein scifi- und fantasybegeisterter Chefe, der mich zu diesem Schritt bewogen hat. Wie dem auch sei, ich hatte mir also den ersten Band der deutschen Ausgabe – die Herren von Winterfell geheißen – zugelegt, und sah nun den Anlass als gegeben, endlich mit der Lektüre zu beginnen. „Das Lied von Eis und Feuer“ weiterlesen