Witiko & Only God Forgives

Der Witiko, tja – er reitet auf einen Berg hinauf und dann wieder hinab, durchquert ein Tal von Westen her kommend, verschwindet hinter einem grauen Felsen und kommt wieder hervor; trägt ein grünes Wams, braune Stiefel und… Das Buch Stifters gilt als schwere, nur mühselig zu bewältigende Literatur. Die meisten lassen die Finger davon, zumal heutzutage. „Witiko & Only God Forgives“ weiterlesen

Das goldene Haus von Samarkand

Wir zwölfjährigen Jungs scharten uns im engen Halbkreis zusammen; Schulter an Schulter, die Rücken schirmten einer Wand gleich unsere Geheimnisse von der Außenwelt. Diese bestand im konkreten Fall aus den übrigen Besuchern der szenegebenden Bahnhofsbuchhandlung, womöglich auch unseren Lehrern, deren Blicken und Verweisen es wie üblich zu entgehen galt. „Das goldene Haus von Samarkand“ weiterlesen

Fragebögen und Leugner

„Der Holocaust ist von den Pionieren des Zionismus erfunden und finanziert worden,“ stellt, in seltsam widersprüchlicher Logik, ein gewisser Laurent Louis fest; seines Zeichens Wirrkopf belgischer Provenienz und mir allein bekannt, da die Tage vermeldet wurde, ein belgisches Gericht habe ihn zum Besuch von fünf KZ-Gedenkstätten verurteilt. Dort solle er, einem tunichtguten Schüler gleich, seine Gefühle in Form kurzer („50 Zeilen…“) Aufsätze dokumentieren. Ob das hilft, bleibt zweifelhaft. „Fragebögen und Leugner“ weiterlesen

Jeder schön für sich

Es gibt da dieses Zitat, das wohl nicht von Ignazio Silone stammt. Und immer wieder von Leuten angebracht wird mit genau diesem Hinweis, nämlich, dass das Zitat wohl nicht von Silone stammt – sie es aber dennoch verwenden wollen, weil er es bestimmt so gesagt hätte. Auch wenn er’s nicht hat. Dann ist es also das Zitat der Leute, die wissen, dass es nicht von Silone ist. „Jeder schön für sich“ weiterlesen

Der Spiegel der See

„That’s the problem of cool people: they are very embarrasable“, meinte mein walisischer Schwager vor einiger Zeit – er ist Krankenhausarzt und betrachtet mit jener weisen, stoisch-luziden Illusionslosigkeit die Geschäfte des menschlichen Lebens, wie sie nur die jahrzehntelange Arbeit im Vexierbild einer Station für Lungenkrankheiten verleihen kann und wohl auch muss. „Der Spiegel der See“ weiterlesen

Jorge von Monacco

Gefährlich Gedanken und die Bücher, welche sie enthalten. Wem kommt da nicht Ecos mittelalterliches Schauer- und Lehrstück in den Sinn, in einer nicht zu nennenden Abtei im nördlichen Apennin angesiedelt. Die dort in luftiger Höhe angesiedelten Klugen wissen, dass nicht jedes Buch und mit ihm nicht jede Idee dem Volk, dem immer suchenden und immer irrenden in die Hände und Hirne fallen darf. „Jorge von Monacco“ weiterlesen